HUMAN IN THE LOOP: BEIM KI-UNTERSTÜTZTEN SCHREIBEN DIE FEDER FÜHREN
5.1
Ko-Intelligenz und Kontrolle bei Schreibprojekten
Die Verwendung von KI beim Schreiben kann sowohl Ihre Texte als auch Ihre Schreibkompetenz verbessern. «Human in the loop» bedeutet, dass Sie als Autor*in beim KI-unterstützten Schreiben die Feder führen.
Die Interaktion mit KI oder anderen digitalen Tools kann die Qualität Ihrer Texte verbessern sowie die Entwicklung Ihrer Schreibkompetenz fördern. Dies hängt jedoch davon ab, wie Sie die Zusammenarbeit mit diesen Schreibwerkzeugen gestalten. Eine angemessene Mensch-Computer-Interaktion (Human-Machine Interaction, HMI) wird oft als «Human in the loop» beschrieben.
«Human in the loop» steht zunächst einmal für Ko-Intelligenz als Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine. Grosse Sprachmodelle (Large Language Models), auf denen Chatbots basieren, extrahieren Muster aus vielen Texten vieler Menschen und Quellen und generieren daraus in jedem Schreibprozess neue Texte. Wer KI beim Schreiben nutzt, kann von dieser kollektiven Ressource profitieren, um das eigene Wissen und Können zu erweitern, und schöpft so das Potential der Ko-Intelligenz aus.
«Human in the loop» ruft aber auch dazu auf, die zentrale Rolle des Menschen im Schreibprozess zu bewahren. Dies geht über die reine Faktenprüfung hinaus. Gerade beim wissenschaftlichen Schreiben hängt die Qualität der Texte von Ihren Ideen, Ihren Argumentationen und Ihrer kritischen Einordnung der Fakten ab. Das bedeutet: KI kann unterstützen und entlasten, aber Sie als Autor*in nicht ersetzen. „Human in the Loop“ bedeutet folglich, die Rolle der KI in Ihrem Schreibprozess bewusst zu gestalten, um die Kontrolle zu behalten.
Mollick und Mollick (2023) schlagen sieben Rollen vor, die man einer KI in einem Schreib- oder Lernprozess zuweisen kann: Dazu gehört beispielsweise «KI als Tutor» für Instruktionen zu anstehenden Schreib- und Lernaufgaben, «KI als Mentor» für Feedback zu Schreibprojekten oder «KI als Coach» für Reflexion und Planung oder «KI als Teamkollege» für kollaborative Intelligenz, die kritisch zurückfragt oder alternative Ideen liefert.
Prof. Dr. Rui Mata, Fakultät für Psychologie, Universität Basel
Tipp
Beachten Sie die folgenden Grundsätze, damit Sie beim Schreiben mit KI die Kontrolle behalten:
- Erkunden und integrieren: Erkunden Sie, welche KI-Tools mit welchen Funktionen Ihnen für die jeweilige Phase Ihrer Schreibprojekte zur Verfügung stehen. Überprüfen Sie deren Zuverlässigkeit und Mehrwert. Integrieren Sie die hilfreichen Funktionen in Ihren Schreibprozess.
- Aktuell bleiben: KI-basierte Schreibhilfen entwickeln sich schnell weiter. Halten Sie Ihr Wissen über diese Tools regelmässig auf dem neuesten Stand. Behalten Sie dabei besonders die Stärken und Schwächen der Tools im Blick.
- Rolle definieren: Definieren Sie die Rolle, die ein KI-Tool für Sie übernehmen soll (Tutor, Coach, Mentor etc.), damit die Tools sich entsprechend Ihrer Lern- und Schreibziele verhalten und Ihnen nicht nur fertige Textteile zur Übernahme liefern.
- Kritisch bleiben: Verhalten Sie sich während des gesamten Interaktionsprozesses wachsam und kritisch, von der Auswahl der Tool-Funktionen über die Überprüfung der Antworten bis hin zum Erkennen und Hinterfragen manipulativer Interaktionsmuster.