GESUNDHEITLICHE VORAUSPLANUNG IM ALTERS- UND PFLEGEHEIMBEREICH

3.2

Ziel und Inhalte eines GVP-Gesprächs

Was ist das Ziel eines GVP-Gesprächs und was hat es zum Inhalt?

Ziel eines GVP-Gesprächs

Das Ziel eines GVP-Gesprächs ist es, Bewohnenden von Alters- und Pflegeheimen möglichst eine an ihren Werten und Wünschen orientierte Behandlung und Betreuung anbieten zu können. Für das Team im Alters- und Pflegeheim ist es entscheidend zu wissen, wie intensiv die betroffene Person in einer Notfallsituation, d. h. wenn sehr rasch über die weitere Betreuung entschieden werden muss, (noch) behandelt werden möchte, wenn sie sich nicht mehr selbst äussern kann.

Beispiel: Ausschnitt aus Gespräch 1 SOUNDCLOUD-ELEMENT (DB-Nr. 10–12)

Beispiel: Ausschnitt aus Gespräch 2 SOUNDCLOUD-ELEMENT (DB-Nr. 6)

  • Verlegung ins Spital: Möchte die betroffene Person ins Spital überwiesen werden? Und falls ja, sind lebenserhaltende Massnahmen gewünscht (Reanimationsversuch bei Kreislaufstillstand / Behandlung auf der Intensivstation / invasive Beatmung)?

Beispiel: Ausschnitt aus Gespräch 1 SOUNDCLOUD-ELEMENT (DB-Nr. 27 & 29 & 30–32)

  • Betreuung im Heim: Möchte die betroffene Person nicht mehr in ein Spital verlegt, sondern im Heim weiterbetreut werden? Sollen – soweit im Heim möglich – lebenserhaltende Behandlungen durchgeführt werden oder möchte die betroffene Person ausschliesslich Behandlungen erhalten, die die Lebensqualität verbessern und Symptome lindern? Wichtig ist hierbei insbesondere die Frage, ob potenziell lebensverlängernde Medikamente zum Einsatz kommen sollen oder nicht.

Inhalte des GVP-Gesprächs

Das GVP-Gespräch soll individuell an die Situation der betroffenen Person angepasst sein: Ist die gesundheitliche Situation stabil oder ist eine akute Veränderung des Gesundheitszustands bzw. der Lebenssituation Anlass für eine GVP-(Re-)Evaluation? Die Ziele der GVP sollen erklärt werden, ebenso das Recht auf Selbstbestimmung auch nach Eintritt der Urteilsunfähigkeit. Fragen rund um Lebensqualität, Leiden und Linderung sollen besprochen und Ängste angesprochen werden. Für die Gespräche soll genügend Zeit eingeplant werden, oft sind auch mehrere Gespräche sinnvoll.

Die nachfolgenden Punkte (mit möglichen Beispielfragen) sollten im GVP-Gespräch thematisiert werden:

  • Aktuelle Lebenssituation: Wie schätzen Sie Ihre Gesundheits- und Lebenssituation ein?

Beispiel: Ausschnitt aus Gespräch 1 SOUNDCLOUD-ELEMENT (DB-Nr. 22 & 24)

  • Werte und Einstellungen / Lebenswille / Lebensqualität: Welche Werte in Bezug auf Gesundheit und Krankheit sind wichtig für Sie? Wie wichtig ist es für Sie, im jetzigen Gesundheitszustand noch lange weiterzuleben? Was bedeutet Lebensqualität für Sie? Haben Sie bereits Erfahrungen mit Sterben und Tod gemacht und was bedeuten diese für Sie? Welche früheren Erfahrungen haben Sie mit schweren Erkrankungen gemacht?
  • Behandlungsziele und -präferenzen: Welche Erwartungen und Wünsche an die medizinische Behandlung haben Sie, wenn sich Ihr Gesundheitszustand verschlechtert und Sie nicht mehr selbst entscheiden können? Möchten Sie bei einer Verschlechterung Ihres Gesundheitszustands, wenn dies medizinisch angezeigt ist, in ein Spital eingewiesen werden? Möchten Sie, dass bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes, wenn das medizinisch angezeigt ist, im Spital oder auch im Heim lebensverlängernde Massnahmen (z. B. Antibiotika) eingesetzt werden?
  • Notfallsituation: Wie sollen wir in einer Notfallsituation vorgehen?
  • Stellvertretung bei Urteilsunfähigkeit: Wer soll Sie vertreten, wenn Sie nicht mehr in der Lage sind, selbst zu entscheiden (Situation der Urteilsunfähigkeit)?
  • Spirituelle, religiöse, kulturelle Bedürfnisse: Welche spirituellen, religiösen und/oder kulturellen Bedürfnisse leiten Sie in Ihrem Leben? Was hilft Ihnen in schwierigen Situationen?